Rückzug

Meine unverheirateten und zukünftigen Eltern zogen nicht zurück in die Landeshauptstadt des Landes SH in der meine Frau Mama Zeitlebens wohnte, sondern bezogen ein geräumiges, alleinstehendes Haus an einem der schönen 5 Seen der Holsteinischen-Schweiz, nahe Eutin, als große Kreisstadt. Mein Vater war Kaufmann und bekam recht schnell eine Anstellung in einem Möbelhaus als Filialleiter. Meine Mutter versah ihren Dienst als Hausfrau. Es kam offenbar doch schneller als gewollt das ein Nachkomme dieser Beiden eiligst das Licht der Welt erblicken wollte. So wurde nun zeitig beschlossen und verkündet das eine standesamtliche Hochzeit vollzogen werden sollte. Da meine zukünftigen Großeltern, mütterlicherseits, ihren Schwiegersohn in spe nicht sonderlich mochten, waren auch die abgelichteten Personen in festgehaltenen Bildern auf der Standesamt-Treppe in einem traurigen Schatten getaucht. Der Vater meiner Mutter ließ weitaus mehrmals durch seine zurückhaltend vornehme Art zwischen den Satzzeilen verkünden das seine Tochter etwas Besseres als diesen nun welchen Ehemann verdient hätte. Der erste rote Faden sei nun hiermit als gesponnen vermerkt.

Die amtlichen Zugangsvoraussetzungen, um ein uneheliches Zusammenleben zu verhindern, waren in Kiel damit also abgeschlossen worden.

„Nicht auszudenken wenn meine Mutter mit diesem Hallodri in wilder Ehe und in diesen Zeiten auch nur Ansatzweise eine gemeinsame Wohnung beziehe“. Was für eine Demütigung für einen Mann der offenbar letztendlich „aus dem Kohlenpott an die See übersiedelt ist“.

Jaa, das war dann doch deutlich genug und ohne Umschweife durch den Herren ausgesprochen, der seinen Unmut normalerweise durch frische Satzzeilen laufen ließ. Mein Opa.

Nur gut das zwischen der Kieler-Förde und dem beschaulichen östlichen Hügelland mehrere Kilometer lagen.

In der schönen Einliegerwohnung, die es in dem schönen Haus auf diesen großen Seegrundstück gab, wohnte eine Familie mit einem damals 5 Jährigem Mädchens dessen Namen ich leider nicht mehr kenne. Mir mag da Sabrina im Kopf umher schwirren, die Wahrheit ist aber bestimmt eine andere. Nun denn. Ich sehe mich heute noch mehrmals mit ihr, auf schwarz-weißen und kanntengeriffelten Bildern, mit diesem zierlichen, ruhigen Wesen mit langen und zu Schlaufen geflochtenen mittelblonden Engelshaaren, in den ersten Jahren in den Gärten und Stallungen mit den Enten spielen.

1962

Es beginnt

Erzählen fällt mir schwer. Dennoch werde ich es wagen.

 

Meine Mutter hatte Anfang ´62 in einem längeren Arbeitsaufenthalt in Berchtesgarden einen Mann aus dem Rheinland kennengeleernt, der dort, im südlichen Teil der Republik, Urlaub machte. Meine Mutter zog es dort vor einem Jahr mit einer Freundin hinunter, um, wie sie sagte, etwas aus der Schleswig-Holsteinischen-Eintönigkeit heraus zu kommen.

Wann dann für beide der Entschluß feststand in das nördlichste Bundesland zurück zu kehren, beziehungsweise meinen zukünftigen Herrn Papa dazu zu bewegen war ebenfalls dort zu übersiedeln, weiß ich nicht mehr. Vielleicht, wenn ich ab heute nun intensiver über meine Vergangenheit nachdenken werde, fällt mir noch dazu das eine oder andere ein.

Sind es ganz profane Dinge die Mensche zu einander führen ? Sehnsucht nach fehlender Liebe im Elternhaus machen es sicher nicht besser oder tragen zum gesunden Miteinander bei. Wie lange wartet man denn eigentlich auf die wirklich selbsttragende Liebe ?

Was erlaube ich mir jetzt eigentlich darüber zu urteilen wie meine Eltern als Paar waren.

Sicher ist es dem Wissen geschuldet das ich etwas weiß, was noch gar keinen Platz in diesem Schreiben hat.

 

Was tue ich hier eigentlich ?

Es rauscht in meiner Magengrube. Bin unsicher und habe Angst vor mir selbst. Das, was nun folgen wird im Laufe meiner Blog-Zeit, ist der Anfang  und das Ende. Was werde ich hier nur alles wiederfinden ?